Die vier Fälle im Deutschen: Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv
In diesem Artikel lernen Sie die vier Fälle der deutschen Sprache kennen: Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv. Sie erfahren, wann welcher Fall verwendet wird und wie Sie ihn erkennen können.
Im Deutschen gibt es vier Fälle: Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv. Jeder Fall hat eine bestimmte Funktion im Satz und verändert die Form von Artikeln und Nomen. Welche Form ein Wort hat, hängt vom Verb oder von einer Präposition ab.
Der Nominativ
Der Nominativ ist der Grundfall. Er beantwortet die Frage "Wer oder was?". Der Nominativ ist immer das Subjekt eines Satzes. Das Subjekt ist die Person oder die Sache, die etwas tut oder über die gesprochen wird.
Der Nominativ steht oft am Satzanfang, aber nicht immer.
- Meine Tante wohnt in der Schweiz. (Wer oder was wohnt in der Schweiz? - Meine Tante.)
- Seit zehn Jahren wohnt meine Tante in der Schweiz. (Wer oder was wohnt in der Schweiz? - Meine Tante.)
Manche Verben verlangen immer den Nominativ. Das bedeutet, dass nach diesen Verben zwei Wörter oder Wortgruppen im Nominativ stehen können. Diese Verben sind: sein, werden, bleiben, heißen und scheinen.
- Mein Onkel ist ein netter Mann. (Wer oder was ist ein netter Mann? - Mein Onkel. Wer oder was ist mein Onkel? - Ein netter Mann.)
Hier sind "mein Onkel" und "ein netter Mann" dasselbe. Deshalb stehen beide im Nominativ.
Der Akkusativ
Der Akkusativ ist der Fall des direkten Objekts. Das direkte Objekt ist die Person oder Sache, die direkt vom Verb betroffen ist. Man fragt danach mit "Wen oder was?".
- Der Nachbar hat einen Garten. (Wen oder was hat der Nachbar? - Einen Garten.)
Der Akkusativ wird oft von bestimmten Verben verlangt. Das bedeutet, dass diese Verben ein Akkusativobjekt benötigen.
Einige Verben, die den Akkusativ brauchen, sind:
- haben (Er hat einen Garten.)
- brauchen (Ich brauche ein Buch.)
- schneiden (Sie schneidet das Brot.)
- kaufen (Wir kaufen ein Auto.)
- essen (Er isst einen Apfel.)
- kochen (Sie kocht das Essen.)
- besuchen (Ich besuche meine Freunde.)
- machen (Wir machen Hausaufgaben.)
- lesen (Sie liest ein Buch.)
- bestellen (Ich bestelle eine Pizza.)
Der Akkusativ kann auch nach bestimmten Präpositionen stehen. Diese Präpositionen verlangen immer den Akkusativ:
- für (Das Geschenk ist für dich.)
- um (Wir gehen um den Tisch.)
- bis (Ich warte bis nächste Woche.)
- durch (Wir fahren durch die Stadt.)
- ohne (Ich gehe ohne meinen Hund spazieren.)
- gegen (Er ist gegen die Wand gelaufen.)
Es gibt auch Wechselpräpositionen, die manchmal den Akkusativ und manchmal den Dativ verlangen. Das hängt davon ab, ob eine Bewegung zu einem Ort hin ausgedrückt wird (Akkusativ) oder ob eine Position an einem Ort beschrieben wird (Dativ).
Die Wechselpräpositionen sind: in, an, auf, über, unter, hinter, neben, zwischen, vor.
Wenn die Frage "Wohin?" passt, dann folgt der Akkusativ, denn es geht um eine Richtung oder Bewegung.
- Er geht in den Wald. (Wohin geht er? - In den Wald.)
Der Dativ
Der Dativ ist der Fall des indirekten Objekts. Das indirekte Objekt ist oft die Person, die etwas empfängt oder für die etwas getan wird. Man fragt danach mit "Wem?".
- Er gratuliert dem Kollegen. (Wem gratuliert er? - Dem Kollegen.)
Ein Trick: Wenn das Verb nur auf Personen oder Lebewesen bezogen werden kann, folgt meist der Dativ. Wenn das Verb auch auf Dinge bezogen werden kann, folgt meist der Akkusativ.
- Kann ich einem Buch gratulieren? Nein, nur einer Person. Also: gratulieren braucht den Dativ.
- Kann ich einem Buch helfen? Nein, nur einem Lebewesen. Also: helfen braucht den Dativ.
Einige Verben, die den Dativ brauchen, sind:
- helfen (Ich helfe dir.)
- schmecken (Die Pizza schmeckt mir.)
- passen (Die Schuhe passen ihm.)
- gefallen (Das Bild gefällt mir.)
- gratulieren (Ich gratuliere dir zum Geburtstag.)
Der Dativ kann auch nach bestimmten Präpositionen stehen. Diese Präpositionen verlangen immer den Dativ:
- mit (Ich gehe mit meinem Freund.)
- zu (Wir fahren zum Bahnhof.)
- bei (Ich wohne bei meinen Eltern.)
- von (Der Brief ist von meinem Bruder.)
- nach (Wir fahren nach Berlin.)
- seit (Ich lerne Deutsch seit einem Jahr.)
- außer (Alle außer mir waren da.)
- gegenüber (Das Kino ist dem Rathaus gegenüber.)
Bei den Wechselpräpositionen (in, an, auf, über, unter, hinter, neben, zwischen, vor) steht der Dativ, wenn die Frage "Wo?" passt. Es wird eine Position oder ein Zustand an einem Ort beschrieben, keine Bewegung.
- Er ist im Wald. (Wo ist er? - Im Wald.)
- Ich bin in der Stadt. (Wo bist du? - In der Stadt.)
- Sie steht in der Küche. (Wo steht sie? - In der Küche.)
Der Genitiv
Der Genitiv wird seltener verwendet als die anderen Fälle. Er beantwortet die Frage "Wessen?" und zeigt oft Besitz oder eine Zugehörigkeit an.
Manche Verben verlangen den Genitiv. Das sind oft formelle oder juristische Begriffe:
- gedenken (Wir gedenken der Opfer.)
- anklagen (Er wird des Raubes angeklagt.)
- bedürfen (Der Plan bedarf der Zustimmung.)
- verdächtigen (Sie verdächtigen ihn des Diebstahls.)
- bezichtigen (Man bezichtigt ihn der Lüge.)
Der Genitiv wird häufiger verwendet, um Besitz auszudrücken. Hier gibt es zwei Möglichkeiten:
- Bei Namen: Man hängt einfach ein "s" an den Namen an (ohne Apostroph).
- Das ist Annas Stift. (Wessen Stift? - Annas.)
- Das ist Michaels Auto. (Wessen Auto? - Michaels.)
- Bei Nomen (Sachen oder Personen, die keine Eigennamen sind): Man stellt den Besitz zuerst und dann den Besitzer im Genitiv.
- Das ist das Auto meines Onkels. (Wessen Auto? - Meines Onkels.)
- Das ist die Tasche meiner Tante. (Wessen Tasche? - Meiner Tante.)
Wenn der Besitzer maskulin oder neutral ist, hängt man ein "-s" oder "-es" an das Nomen im Genitiv an. Bei femininen Nomen oder Pluralformen entfällt das "-s".
- meines Onkels
- meines Kindes
- meiner Tante
- meiner Kinder
Auch der Genitiv steht nach bestimmten Präpositionen:
- während (Wir sprechen während des Essens.)
- außerhalb (Das Auto steht außerhalb der Garage.)
- innerhalb (Ich bin innerhalb einer Stunde zurück.)
- anlässlich (Wir treffen uns anlässlich seines Geburtstags.)
- trotz (Wir gehen spazieren trotz des Regens.)
- dank (Er hat es geschafft dank seiner Hilfe.)
- statt / anstatt (Wir nehmen den Bus statt des Autos.)
In der Umgangssprache wird der Genitiv nach diesen Präpositionen manchmal durch den Dativ ersetzt. Zum Beispiel sagen viele "wegen dem Regen" statt "wegen des Regens". Es ist wichtig, die korrekte Genitivform zu kennen, auch wenn umgangssprachlich oft der Dativ verwendet wird.
Dieser Artikel basiert auf dem Video
Nominativ, Akkusativ, Dativ & Genitiv in 15 Minuten
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