Perfekt und Präteritum: So verwendest du die Vergangenheitsformen
Dieser Artikel erklärt dir, wann du im Deutschen das Perfekt oder das Präteritum benutzt. Du lernst die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden Zeitformen kennen.
Im Deutschen gibt es zwei Zeitformen, um über die Vergangenheit zu sprechen: das Perfekt und das Präteritum. Beide haben die gleiche Bedeutung, wenn du über vergangene Ereignisse sprichst. Zum Beispiel: "Gestern hatte meine beste Freundin Geburtstag" (Präteritum) und "Gestern hat meine beste Freundin Geburtstag gehabt" (Perfekt) bedeuten dasselbe.
So bildest du Perfekt und Präteritum
Das Präteritum besteht aus einem Verb. Es sind einzelne Wörter, die sich verändern:
- ich sagte
- er kam
- wir spielten
- sie schrieben
- ihr kochtet
Das Perfekt besteht aus zwei Wörtern: einem Hilfsverb und dem Partizip II. Das Hilfsverb ist meistens haben.
- ich habe gesagt
- er ist gekommen
- wir haben gespielt
- sie haben geschrieben
- ihr habt gekocht
Du verwendest das Hilfsverb sein, wenn es eine Bewegung gibt (z.B. fahren, gehen, schwimmen, rennen) oder eine Zustandsänderung (z.B. einschlafen, aufwachen). Auch bei den Verben sein, bleiben und werden benutzt du sein als Hilfsverb.
Unterschiede in der Verwendung
Ob du das Perfekt oder das Präteritum benutzt, hängt oft davon ab, ob du sprichst oder schreibst und in welcher Region Deutschlands du dich befindest.
In geschriebenen Texten
Normalerweise findest du das Präteritum in geschriebenen Texten. Das liegt daran, dass das Präteritum kürzer ist und somit Platz im Text spart. Das ist zum Beispiel in Romanen, Zeitungsartikeln und Berichten der Fall.
Wenn du aber einen Brief oder eine E-Mail schreibst, die einer gesprochenen Sprache ähnelt, findest du dort eher das Perfekt.
In der gesprochenen Sprache
In der gesprochenen Sprache ist das Perfekt häufiger. Besonders in Süddeutschland wird es oft benutzt. Zum Beispiel würde man sagen:
- "Gestern bin ich zu einem Dönerladen gegangen und habe einen Döner bestellt."
In Norddeutschland kann man das Präteritum auch in der gesprochenen Sprache hören. Für manche Deutschsprecher klingt das Präteritum in der mündlichen Kommunikation jedoch sehr formell und ungewöhnlich.
Sonderfälle: Verben immer im Präteritum
Es gibt einige Verben, die in der gesprochenen Sprache fast immer im Präteritum stehen, egal woher du kommst. Das sind die Verben haben, sein und geben, sowie alle Modalverben.
Modalverben sind Verben wie:
- können (ich konnte)
- müssen (ich musste)
- sollen (ich sollte)
- wollen (ich wollte)
- dürfen (ich durfte)
- mögen (ich mochte)
Auch das Verb "werden" (im Sinne von "Ich wurde alt") ist ein Beispiel. Wenn du sagst: "Es war lecker", benutzt du das Präteritum von "sein".
Wichtige Regeln für das Perfekt
Es gibt zwei Situationen, in denen du das Perfekt verwenden musst:
- Wenn ein vergangenes Ereignis eine Auswirkung auf die Gegenwart hat.
- "Ich habe zu wenig geschlafen!" (Das bedeutet, ich bin jetzt müde.)
- "Mama hat Spätzle gemacht." (Das bedeutet, es gibt jetzt Essen.)
- "Der Straße ist nass. Es hat geregnet." (Das bedeutet, der Regen hat Spuren hinterlassen, die man jetzt sehen kann.)
In diesen Fällen kannst du nicht das Präteritum verwenden, da es sonst klingen würde, als hätte das Ereignis keine aktuelle Bedeutung mehr.
- Du kannst das Perfekt auch verwenden, um über die Zukunft zu sprechen, wenn du ausdrücken möchtest, dass etwas bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft abgeschlossen sein wird. Dies ist eine Alternative zum Futur II.
- "Wenn ich mein Studium beendet habe, suche ich mir eine Arbeit." (Das Studium wird in der Zukunft abgeschlossen sein.)
- "Ich habe meine Hausaufgaben bis morgen Abend gemacht." (Die Hausaufgaben werden bis morgen Abend fertig sein.)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Perfekt vielseitiger ist und sowohl für vergangene Ereignisse mit Bezug zur Gegenwart als auch für die Zukunft verwendet werden kann. Das Präteritum ist hauptsächlich auf die Vergangenheit beschränkt.
Dieser Artikel basiert auf dem Video
Deutsch A1-C1: PERFEKT oder PRÄTERITUM? Regeln, die du kennen musst!
Lingster Academy