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Die Entwicklung der deutschen Sprache

In diesem Artikel erfahren Sie, wie sich die deutsche Sprache über Jahrtausende hinweg entwickelt hat und welche wichtigen Schritte es dabei gab.

Inhalt

Die deutsche Sprache hat eine lange Geschichte. Ihre Wurzeln reichen bis zu einem Steppenvolk in Südosteuropa zurück, das man Indoeuropäer oder Indogermanen nennt. Von ihnen stammt eine Sprache ab, die als Proto-Indoeuropäisch bezeichnet wird. Es gibt keine schriftlichen Beweise dafür, aber Forscher haben sie rekonstruiert. Aus dieser Ursprungssprache entstanden über 400 Sprachen, die heute zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehören. Dazu gehören neben Deutsch auch Englisch, Spanisch, Persisch oder Hindi. Ein Beispiel dafür ist das altindische Wort pitar, das dem deutschen Wort Vater sehr ähnlich ist.

Die erste Lautverschiebung und das Protogermanische

Im ersten Jahrtausend vor Christus kam es zu einer wichtigen Veränderung in der Sprache: der ersten Lautverschiebung, auch Grimms Gesetz genannt. Dadurch trennten sich die germanischen Sprachen von den anderen indogermanischen Sprachen. Diese Veränderung kann man noch heute sehen. Zum Beispiel beginnen lateinische Wörter wie pat oder spanische Wörter wie padre mit einem P. Im Deutschen (Vater) und Englischen (father) steht stattdessen ein F. Diese Verschiebung von Konsonanten (Genauer gesagt, von Plosiven, das sind Konsonanten wie P, T, K) ist in allen germanischen Sprachen passiert und markiert den Beginn des Protogermanischen.

Die zweite Lautverschiebung und das Althochdeutsche

Im ersten Jahrtausend nach Christus gab es eine weitere große Veränderung: die zweite Lautverschiebung. Aus den westgermanischen Dialekten, zu denen auch Englisch und Niederländisch gehören, entstand das Althochdeutsche. Auch hier veränderten sich Konsonanten. Diese Verschiebung passierte aber nicht im gesamten deutschsprachigen Raum. Im Norden Deutschlands gab es diese Veränderung nicht. Man kann dies an der sogenannten Benrather Linie sehen. Südlich dieser Linie sagt man zum Beispiel Apfel und machen, während es im Norden Appel und maken hieß. Im Süden spricht man hochdeutsche Dialekte (der Name kommt daher, dass das Land dort bergiger ist), und im Norden niederdeutsche Dialekte. So ist zum Beispiel Bairisch ein hochdeutscher Dialekt.

Mit dem Althochdeutschen, das nach der zweiten Lautverschiebung entstand, kann man unsere Sprache zum ersten Mal wirklich Deutsch nennen. Die deutsche Sprache ist also etwas über tausend Jahre alt. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten schriftlichen Zeugnisse unserer Vorfahren. Zuvor war Latein die wichtigste Bildungssprache in Europa. Doch unter Karl dem Großen entstanden erstmals Texte in deutscher Volkssprache. Damals gab es aber noch keine einheitlichen Regeln für das Schreiben. Jeder schrieb, wie er wollte. Das ist ein Grund dafür, warum die Schreibung und Aussprache von vielen Wörtern heute oft unterschiedlich sind. Bekannte althochdeutsche Texte sind die Merseburger Zaubersprüche aus dem 8. Jahrhundert oder das Hildebrandslied aus dem 9. Jahrhundert. Ein Beispiel für Althochdeutsch ist der Anfang des Vaterunsers: Fater unsēr, thu in himilom bist, giwīhit sī namo thīn.

Das Mittelhochdeutsche

Im zweiten Jahrtausend entstand das Mittelhochdeutsche. „Mittel“ bedeutet hier, dass diese Sprachstufe im Mittelalter, also etwa zwischen den Jahren 1000 und 1400, anzusiedeln ist. Das Mittelhochdeutsche ist bekannt für eine reiche Literatur in der Volkssprache. Diese Literatur wurde stark von der höfischen Kultur beeinflusst, die sich an Frankreich orientierte. Während in althochdeutscher Zeit hauptsächlich geistliche Texte geschrieben wurden, schrieben nun Adlige auch weltlichere Themen. Viele mittelalterliche Handschriften sind uns erhalten, zum Beispiel die Gedichte Walters von der Vogelweide oder die höfischen Romane Hartmanns von Aue. Das Mittelhochdeutsche war aber noch keine einheitliche Sprache, sondern ein Oberbegriff für viele verschiedene ober- und mitteldeutsche Dialekte. Diese Dialekte konnten sich in Wörtern und Aussprache stark unterscheiden. Ein Beispiel für Mittelhochdeutsch ist ein Ausschnitt aus Walters von der Vogelweide: Under der linden / an der heide / dâ unser zweier bette was / dâ mugt ir vinden / schône gebrochen bluomen unde gras.

Buchdruck und Neuhochdeutsch

Mitte des 15. Jahrhunderts erfand Johannes Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Das war eine Revolution für die Literatur. Texte konnten nun leicht und oft vervielfältigt werden. Dies führte zu einem Aufschwung des geschriebenen Wortes, besonders im aufstrebenden Bürgertum. Auch der Reformator Martin Luther nutzte diese Erfindung. Mit seiner Bibelübersetzung in der Mitte des 16. Jahrhunderts legte er den Grundstein für eine einheitliche deutsche Sprache mit Einflüssen aus ober-, mittel- und niederdeutschen Dialekten. So begann die Entwicklung zum Neuhochdeutschen, das vom frühen Neuhochdeutsch Luthers über verschiedene sprachliche Prozesse (wie Diphthongierung, Monophthongierung, Silbenkürzung und Dehnung) bis zu unserem heutigen Deutsch reicht.

Die letzten 500 Jahre der deutschen Sprachentwicklung waren geprägt von Vereinheitlichung und neuen literarischen Werken. Denken Sie an die Poetik von Martin Opitz, die Werke von Goethe und Schiller oder die Anfänge der Germanistik durch Jacob und Wilhelm Grimm. All diese Entwicklungen und Personen haben dazu geführt, dass aus vielen Dialekten die Sprache wurde, die uns Deutsche heute von Nord bis Süd verbindet. Als 1901 eine einheitliche deutsche Rechtschreibung beschlossen wurde, bekam unsere Sprache nach über tausend Jahren eine ruhigere und festere Form. Heute lernen wir in der Schule eine gemeinsame Standardsprache, die weltweit von etwa 130 Millionen Menschen gesprochen wird. Der Wortschatz des Deutschen umfasst schätzungsweise eine halbe Million Wörter, und jedes Jahr erscheinen über 70.000 Bücher in deutscher Sprache. Doch die Entwicklung der Sprache ist nie ganz abgeschlossen; sie verändert sich ständig.

Dieser Artikel basiert auf dem Video

Die spannende Geschichte der deutschen Sprache... Der Germanistiker

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